kultmags.com: Klaus Sommer im Gespräch

mag02Amiga Joker, Amiga Games, Powerplay, PC Player, PC Action und wie sie alle hießen: Mensch, was waren das doch für kultige Spielemagazine! Unvergesslich bleiben die knallbunten Aufmachungen, die humorvollen Editorials und Leserbriefe, sowie der, aus heutiger Sicht wohl, „naive“, „amateur-“ und „kumpelhafte“ Schreibstil der Redakteure, welcher so wunderbar das Gefühl vermitteln konnte, Teil einer kleinen verschworenen Gemeinschaft zu sein. Ja, diesen Heften wohnte schon ein ganz besonderer Flair inne. Ein Flair, den man bei heutigen Spielemagazinen schmerzlich vermisst.
Da juckt es den alten Nostalgiker doch auch heute noch gelegentlich in den Fingern, die guten Stücke hervor zu kramen und in Erinnerungen zu schwelgen! Doch herrje… Wie es nun mal mit Besitztümern aus Kindheit und Jugend so ist, kann es auch hier gut und gern vorkommen, dass von der einst gehegten und gepflegten Sammlung nicht mehr viel übrig geblieben ist. Da hält man vielleicht nur noch ein loses Bündel unleserlicher Seiten in den Händen, oder aber man stellt mit Entsetzen fest, dass alle gesammelten Magazine in einem Akt geistiger Umnachtung schon längst auf Ebay verscherbelt, oder noch schlimmer, gedankenlos weggeworfen wurden…
Wie gut, dass es da Menschen vom Schlage eines Klaus Sommers gibt! Dieser bastelt nämlich seit Anfang 2014 auf kultmags.com ein gewaltiges Archiv zusammen, in welchem, wie der Name schon erahnen lässt, unsere geliebten Mags aus den 80ern bis frühen 2000ern mit viel Aufwand zusammengetragen und in digitaler Form zum Download bereitgestellt werden. Das Ganze in hoher Qualität und vollkommen kostenlos. Ich habe Klaus gefragt, ob er Lust hätte, ein wenig über sein Projekt zu plaudern und er war so nett, sich die Zeit dafür zu nehmen. Im Folgenden das kleine Interview:

pixelarrgh: Hallo Klaus! Schön, dass du dir die Zeit genommen hast, um hier ein paar Fragen zu beantworten. Wer ein solch ambitioniertes Projekt wie das deinige betreibt, muss sehr wahrscheinlich auch persönlich in einem nostalgischen Verhältnis zu alter Hard- und Software stehen. Erzähl doch mal, mit welchen Computern und Konsolen bist du aufgewachsen, welche waren deine Lieblingsspiele und beschäftigst du dich auch heute noch gerne mit diesen, sofern du die Zeit dazu findest?

Klaus Sommer: Meine ersten Berührungen im Konsolenbereich hatte ich 1991, als ich zu meinem 7. Geburtstag einen Sega Game Gear geschenkt bekommen habe. Kurz darauf fand auch ein Sega Megadrive den Weg in unser Wohnzimmer, wodurch ich mich als SEGA-Anhänger outete. Freunde und Nachbarskinder hatten zu dieser Zeit NES, GB und SNES von Nintendo und so kam es des Öfteren zu hitzigen Diskussionen, welche Systeme nun besser sind. Irgendwann 1993 bekam mein Vater einen 486er Arbeits-PC, welcher mich ebenfalls schnell in seinen Bann gezogen hatte. Hier sei vielleicht auch kurz erwähnt, dass dies vor allem durch Daniel und Thomas (Jungs aus der Nachbarschaft) definitiv beschleunigt und gefördert wurde. Denn die beiden waren echte Freaks auf dem PC, hatten damals bereits Zugang zum Internet, komponierten Musik, programmierten eigene Spiele und wussten quasi alles über den PC was man damals wissen konnte. Dadurch wechselte auch mein Interesse immer mehr und mehr zum PC, wodurch die Konsolen zwar immer im Hintergrund präsent waren, ich aber eigentlich quasi nur noch auf dem PC spielte und programmierte. Im Jahr 1997 kaufte ich mir von meinem Ersparten das Spiel „Need for Speed II“ (für den PC) und obwohl es zur damaligen Zeit nur mittelmäßige bis gute Bewertungen erhielt, fesselte mich das Spiel für einige Zeit. Unvergessen bleiben auch hier die Split-Screen Battles mit meinen Freunden. 1998 wurde ich auf einen Game Boy-Emulator aufmerksam und die Emulation von Konsolen war mein nächstes Interessensthema. Die Möglichkeit die Nintendo- und Sega-Spiele von den 8bit und 16bit Konsolen auf dem PC zu spielen faszinierte mich und so bekam ich quasi live die Geburtsstunde von ULTRAHLE mit, dem ersten funktionierenden N64-Emulator. Emulatoren begeistern mich bis heute, wodurch ich auch seit ca. 2008 aktiv an MAME und MESS mitarbeite. Dem Computer bin ich natürlich bis heute treu geblieben, nach meinem Studium „Softwareentwicklung für Medizin“ arbeite ich seit einigen Jahren in einem Oberösterreichischen Krankenhaus und betreue dort das Krankenhaus-Informations-System.
Die Liste meiner Lieblingsspiele würde wahrscheinlich selbst einige Seiten füllen, aber Need for Speed II, Super Mario 64, Sonic The Hedgehog und sämtliche LucasArts- und Sierra-Adventures aus den 1990er Jahren zählen auch heute noch zu meinen Favoriten. Zum Spielen komme ich jedoch nur noch sehr selten, mittlerweile bin ich verheiratet und habe zwei Kinder. Sämtliche noch freie Zeit stecke ich derzeit in Kultmags.com und MAME.

p: Gerade in Gesprächen über solch alte Dinge, wird ja gerne und oft der Begriff „kultig“ verwendet. So hast du auch selbst bei der Namensgebung deines Projekts auf dieses Wort zurückgegriffen. Wann aber genießt etwas Kult-Status? Sind Computer, Spiele und insbesondere Spielemagazine aus vergangenen Zeiten einfach nur ihres Alters wegen kultig?

KS: „Kultig“ bedeutet doch im Endeffekt für jeden etwas anderes, bzw. wird für den einen etwas „kultig“ sein für den anderen wiederrum überhaupt nicht. In meinen Augen hat ein Spiel, ein Magazin oder ein System den „Kultstatus“ erreicht, wenn auch noch viele Jahre nach dessen Veröffentlichung davon gesprochen wird und man sich gerne daran zurückerinnert. So gibt es z.B. für den Sega Megadrive auch heute noch eine große Community, welche sogar teilweise noch Spiele für dieses System entwickelt, also definitiv „Kult“. Der Sega Pico, eine Lern-Konsole welche Hardwaretechnisch auf dem Megadrive basiert und nur einige Jahre später von Sega veröffentlicht wurde, wird bis heute von keinem Emulator ordentlich unterstützt, obwohl es in Japan über 300 Spiele für die Konsole gab, daher leider nicht „kultig“ für die breite Masse.

p: Stichwort „Erinnerung“. War diese die ausschlaggebende Motivation für dich, ein solches Archiv auf die Beine zu stellen? Um die Zeit, als die Entwicklung von Computern sowie Videospielen und der dazugehörende Fachjournalismus noch in den Kinderschuhen steckten, lebendig zu halten?

KS: Um ehrlich zu sein, gab es einige Motivationen und Gründe warum ich dieses Projekt in Angriff genommen habe. Bereits einige Jahre zuvor hatte ich Kontakt zu den Jungs des „PC Player Forever“-Projekts, damals hatten diese den Wunsch/die Idee die kompletten Hefte digital auf ihrer Webseite zur Verfügung zu stellen. Es fand sich jedoch niemand der die Hefte digitalisierte, bis ich mich bei ihnen gemeldet habe. Kurz darauf standen zwei Pakete mit etwas mehr als 60kg vor meiner Tür, alle Hefte der PC Player. Ein paar Wochen später, waren alle Hefte gescannt und als PDF verfügbar…doch die Hefte wurden nie auf der PCP-Forever-Seite zur Verfügung gestellt, was zur ersten Überlegung eines solchen Projekts führte. Danach habe ich mehrere Jahre diverse ältere Magazine digitalisiert, jedoch war es einfach schwierig und mühsam diese per One-Klick-Hoster anzubieten, da ständig etwas gelöscht wurde. Kurze Zeit später kam kultcds.com zum Vorschein, obwohl es hier hauptsächlich um die CD’s geht, wurden auch einige Scans von mir hier zur Verfügung gestellt. (Danke nochmals an hallfiry) Ich wollte aber mehr, somit registrierte ich kurzerhand an einem Wochenende die Domain www.kultmags.comhandelte mit meinem Provider ein kostengünstiges Webpaket (mit viel Speicherplatz) aus und schrieb einige E-Mails an diverse Verlage. Zu meinem Erstaunen waren bisher fast alle von diesem Projekt begeistert und gaben mir die Erlaubnis Hefte aus ihrem Sortiment auf der Seite einzustellen, somit war der Grundstein für Kultmags gelegt.
Um nun aber die Frage zu beantworten: Kultmags ist die erste Möglichkeit ein riesiges, legales, digitales Archiv an Magazinen und Büchern zu werden, welches jedem die Gelegenheit gibt in alten Erinnerungen zu schwelgen bzw. der Jugend von heute die PC-, Konsolen-Szene von damals zu zeigen. Diese Chance, hier gemeinsam mit den diversen Autoren und Verlagen ein offizielles ARCHIV aufzubauen ist derzeit meine Hauptmotivation für dieses Projekt. Denn es ist heute schon schwierig die aktuellen Rechteinhaber der damaligen Magazine und Bücher zu ermitteln, nicht auszudenken wie es in 5 – 10 Jahren aussieht.

p: Was ist der gegenwärtige Stand der Dinge auf kultmags.com? Wie viele Magazine, Ausgaben und Gigabyte an Daten befinden sich zur Zeit abrufbereit auf deiner Seite?

KS: Kultmags bietet derzeit 46 Magazine mit insgesamt über 1740 Ausgaben und 42 Bücher an. Die derzeitige Datenmenge liegt ungefähr bei 80GB. Hätte man sämtliche Magazine und Bücher in Papierform vor sich liegen, wäre dies ein Berg mit ca. 1,2m³ und und einem Gewicht von 350kg.

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p: Das ist allerdings eine Menge. Der Weg bis zum downloadbaren Heft in PDF-Form ist aber sicherlich kein kurzer. Was muss im Vorfeld alles geschehen, damit wir durch einen simplen Klick in den Genuss unserer alten Spielemagazine kommen können? Und hilft dir jemand dabei, oder ist das eine One-man-show?

KS: Bei Magazinen müssen zuvor sämtliche rechtliche Punkte mit dem Verlag abgesprochen werden, d.h. hier findet eine mehr oder weniger kurze E-Mail-Konversation mit den jeweiligen Geschäftsführungen bzw. Vertretern statt. Anschließend müssen die Hefte in Papierform gekauft oder ausgeliehen werden, um Sie dann per Flachbettscanner einzuscannen. Der Scanvorgang dauert ca. 15Min/40Seiten, danach noch ca. 30-60Min für die Nachbearbeitung, pro Heft.
Bei Büchern aus dem Sybex-, Ullstein- und Markt&Technik-Verlag fielen die Rechte wieder an die jeweiligen Autoren zurück, hier muss ich jeden Autor persönlich kontaktieren um eine schriftliche Genehmigung von ihm zu erhalten. Der große Zeitaufwand liegt hier vor allem in der Recherche und der Kontaktaufnahme zum Autor, viele arbeiten mittlerweile in komplett anderen Branchen und zusätzlich gibt’s meistens noch 5 weitere Personen mit identischem Namen in Deutschland. Die Schwierigkeit liegt hier also vor allem darin, die richtige Person ausfindig zu machen und danach auch noch eine Möglichkeit zu finden, diese zu kontaktieren. Sofern der Autor dann seine Genehmigung für dieses Projekt gibt, muss ich die Bücher im nächsten Schritt kaufen. Ein weiteres Problem, denn oft sind die Bücher kaum noch zu finden, oder werden zu Preisen jenseits von Gut und Böse angeboten. Liegt das Buch in Papierform vor mir, wird dieses gescannt (ca. 15Min/80Seiten) und danach nachbearbeitet (ca. 60Min/200Seiten). Gibts dazu auch noch eine Diskette oder CD, dann werden diese ebenfalls digital gesichert (z.B. mittels Kryoflux), das dauert dann nochmals ca. 15-30Min.
Derzeit ist das Projekt größtenteils eine One-Man-Show, wobei gelegentlich auch Scans von anderen Quellen auf der Seite eingepflegt werden.

p: Das hört sich nach sehr viel, aber auch nach sehr spannender Arbeit an. Gerade das Ausfindigmachen bestimmter Autoren stelle ich mir interessant vor. Reagiert man auch hier größtenteils mit Begeisterung in Bezug auf dein Projekt?

KS: Fast alle waren überrascht, dass sich noch jemand für diese Bücher interessiert und gaben mir eigentlich sofort die Zustimmung ihre Bücher digital auf kultmags.com veröffentlichen zu dürfen. Wofür ich noch immer sehr dankbar bin!

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p: Fallen dir bei der Beschäftigung mit all diesen alten Spielemagazinen wesentliche Punkte auf, in denen sich der damalige Spielejournalismus vom heutigen unterscheidet? Kaufst und liest du auch heute noch bestimmte Magazine?

KS: Ich denke die Redakteure hatten früher einfach mehr Freiheiten beim Schreiben der Spieletests, wodurch man schon beim Lesen des Artikels wusste, wer diesen geschrieben hat. Es kommt mir auch so vor, als hätten die Artikelschreiber damals mehr Kontakt zu den Spielefirmen und Entwicklern gehabt, sodass hier einfach viele Background-Informationen und Interviews mit den Programmierern zustande kamen. Heutzutage kommen mir Beiträge sehr monoton vor und lesen sich alle irgendwie gleich. Aktuell kaufe ich nur noch die PC Games.

p: Der Spielejournalismus befindet sich ja heutzutage in einer schwierigen Lage. Die Möglichkeit sich durch das Internet, binnen weniger Klicks, die aktuellsten Informationen rund um die Spielebranche zu beschaffen, haben die monatlich erscheinenden Printmedien in eine regelrechte Sinnkrise katapultiert. Was ist deine Meinung zu dieser Entwicklung? Müssen wir bald mit dem Aus von PC Games, Gamestar & Co rechnen?

KS: Seit dem flächendeckenden und kostengünstigen Vorhandensein des Internets geht’s natürlich steil bergab mit den Printmedien. Um ehrlich zu sein wundert es mich doch sehr, dass manche Magazine bei so geringen Verkaufszahlen überhaupt noch über die Runden kommen. Der Werbeanteil in den Magazinen ist natürlich dadurch gewaltig angestiegen und hat die wichtigen Informationen darin weiter verdrängt. Trotzdem hoffe ich, dass sich die Papierausgaben noch ein paar Jährchen halten können.

p: Zuletzt noch ein Ausblick auf die Zukunft: Schwebt dir ein gewisser Umfang bzw. Vollständigkeitsgrad vor, den du bei der Zusammenstellung deines Archivs noch erreichen möchtest? Gibt es ein Endziel? Hast du eventuelle Ausbauungsmöglichkeiten deines Projekts im Blick? Und wie kann man dich bei all dem unterstützen?

KS: Immer wenn ich mir gerade ein Endziel gesetzt hatte, passierten die besten Dinge. So war bis vor ein paar Tagen noch das Hauptziel, alle bisher verfügbaren Magazin-Reihen zu vervollständigen und erst danach wieder mit neuen Verlagen bezüglich Genehmigungen für neue Heft-Serien zu sprechen. Vorgestern bekam ich jedoch die Freigabe eines ehemaligen Verlag-Leiters für 15 neue Magazine, was wiederum ca. 300 neue Hefte für kultmags.com bedeuten wird. (Sofern ich die Hefte in Papierform auftreiben kann).
Es ist daher nur schwer abzuschätzen welchen Umfang dieses Projekt schlussendlich erreichen wird, ein Vervollständigungsgrad der freigegebenen Hefte von 100% wird aber angestrebt! Die Seite befindet sich ja generell immer im Ausbau/Umbau, derzeit wird im Hintergrund gerade an einer umfangreichen „Spieletest“-Datenbank gearbeitet, welches es somit ermöglichen wird nach Tests zu suchen und die jeweiligen Hefte direkt runterzuladen.
Unterstützen kann man das Projekt derzeit bestmöglich mit Geld- und Sachspenden. Die derzeitigen Spenden liegen durchschnittlich bei ca. 10-12EUR pro Monat, die finanzieren zwar den Webspace und die Domain, reichen aber nicht aus um hier neuen bzw. noch fehlenden Content (Hefte in Papierform) zu besorgen. Fehlende Hefte oder Geldspenden sind daher die beste Möglichkeit den Vervollständigungsgrad der Seite zu verbessern.

p: Lieber Klaus, ich danke dir nicht nur für diesen interessanten Blick hinter die Kulissen, sondern auch für dein Bestreben, so eine tolle Sache auf die Beine zu stellen! Ich wünsche dir noch viel Freude mit deinem Projekt und persönlich alles Gute!

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3 Kommentare

  1. Cooler Artikel und klasse, dass es so ein tolles Archiv wie kultmags.com gibt! Jeder, der sich Scans zieht, sollte auch ein paar Euro spenden.

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    1. Danke! Und ja: So ein tolles Projekt ist auf jeden Fall unterstützungswürdig!

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  2. Flat Eric · · Antwort

    Einfach klasse! 🙂 Freue mich immer wieder über solche Projekt!

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